Was man im Zug alles erleben kann

Jahre des Umbruchs

Die ersten sechs Jahre der Deutschen Bahn AG stehen ganz im Zeichen der Bahnreform. Ein neues unternehmerisches Handeln bei gleichzeitiger Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben geben der ehemaligen Behördenbahn ein neues Gesicht.

1994 erfolgt die Eintragung in das Handelsregister der Stadt Berlin. Mit dem Verwaltungsakt am 4. Januar ist die Bundeshauptstadt zum Konzernsitz der Deutschen Bahn AG geworden. Erster Vorstandsvorsitzender des jungen Unternehmens mit langer Tradition wird Heinz Dürr. Als Vorstand der Bundesbahn und seit 1991 auch der Reichsbahn war er maßgeblich an der politischen Durchsetzung der "äußeren" wie der "inneren" Bahnreform beteiligt. 352.000 Mitarbeiter, die aus den unterschiedlichen Kulturen zweier Wirtschaftssysteme stammen, arbeiten unter einem Konzerndach für die Bahn. Programmatisch ist die Einführung des Trassenpreissystem, von der DB als erster Bahn weltweit überhaupt entwickelt. Ebenfalls programmatisch ist die Verabschiedung des Energiesparprogramms. Das ehrgeizige Ziel den Primärenergieverbrauch in 10 Jahren um 25% im Vergleich zu 1990 zu reduzieren, konnte bereits 2003 erreicht werden. Die Bahn öffnet sich für den Wettbewerb und positioniert sich als umweltfreundlichstes Verkehrsmittel.

1995 können wichtige Sanierungsstrecken im Rahmen der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit fertiggestellt werden. Die Sanierung und Elektrifizierung der Strecke Bebra-Erfurt und der Wiederaufbau der "Berliner Kurve" zur Umfahrung von Bebra ist ein Beispiel für die Wiederherstellung und Modernisierung alter Ost-West-Verbindungen in Deutschland.

1996 tritt das Gesetz in Kraft mit dem der Nahverkehr regionalisiert wird. Damit gehen die Aufgaben- und Ausgabenverantwortung für den Schienennahverkehr vom Bund auf die Länder über. Jetzt entscheiden die Länder eigenverantwortlich, wieviel Mittel sie für Schienenverkehre einsetzen und bei welchem Anbieter sie welche Leistung bestellen. Die DB wird sich in Zukunft im Nahverkehr wachsender Konkurrenz stellen. Im Fernverkehr fährt die Bahn die zweite Generation ihres Hochgeschwindigkeitzuges ICE. Sieben ICE-2-Züge konnten früher als geplant eingesetzt werden.

1997 wird in Berlin der Grundstein für den Hauptbahnhof-Lehrter Bahnhof gelegt. Er soll soll zum zentralen Umsteigepunkt in einem Netz Berliner Fernbahnhöfe ausgebaut werden, die an den beiden Nord-Süd und Ost-West-Achsen der neuen Streckenführung liegen. Den Grundstein legt der neue Vorsitzende des Vorstandes Johannes Ludewig, der auf Heinz Dürr folgt. Nach aufwendiger Renovierung wird auch der Leipziger Hauptbahnhof wieder zugänglich gemacht. Hier wie in Frankfurt am Main eröffnen die ersten DB Lounges. Die Renaissance der Bahnhöfe ist eingeleitet.

1998 ist das Jahr, in dem wieder eine wichtige Neubau- und Sanierungsstrecke - von Berlin nach Hannover - eröffnet werden kann. Alle Fortschritte der Bahn sind in diesem Jahr allerdings vom tragischen Zugunglück von Eschede überschattet, bei dem am 3. Juni 101 Menschen ums Leben kommen.

1999 ist eine weitere Vorgabe der Bahnreform umgesetzt. Die ehemaligen Geschäftsbereiche Fern-, Nah- und Ladungsverkehr sowie Fahrweg und auch der nicht gesetzlich vorgesehene Geschäftsbereich Personenbahnhöfe werden als Aktiengesellschaften ausgegliedert. Durch die sogenannte 2. Stufe der Bahnreform wird die Deutsche Bahn gesellschaftsrechtlich als mehrstufiger Konzern von der Deutschen Bahn AG als Holding geführt. Das Aktienkapital der neuen Gesellschaften hält die DB AG, deren Aktien sind Eigentum der Bundesrepublik.

Zukunftsweisend ist die Eröffnung des Flughafenbahnhofs Frankfurt am Main. Damit wird der erste deutsche Flughafen direkt an das Fernverkehrsnetz angeschlossen. Modernste Technik bieten die neuen ICE T-Triebzüge mit Neigetechnik und die beiden Metropolitanzüge. Beide sind an Komfort kaum zu übertreffen. Mit dem Internet-Angebot Surf&Rail können Fahrscheine jetzt auch online gekauft werden.


(Quelle: http://www.db.de/site/bahn/de/unternehmen/konzern/geschichte/chronik/1994__1999/1994__1999.html)